Ausgabe März 1997

Trittbrettfahren

„Zwei Jahrhunderte bitteren Konflikts und mit Stolz getragener Verschiedenheit brachten ein modernes Europa hervor, in dem die Deutschen das Geld kontrollieren und die Franzosen die Bombe haben. Man stelle sich vor, in welchen Schwierigkeiten die Welt stecken würde, wäre es umgekehrt.“ Jim Hoagland

 

Der politische Handreichungsakademiker Werner Kaltefleiter wälzte ein Problem. Die avisierte europäische Währungsunion bringe zwar ökonomische Vorteile. Desungeachtet gebe es hierzulande massive Widerstände gegen den Euro. Das wiederum resultiere aus dem Umstand, daß die gängigen nationalen Identifikationsmerkmale nach 1945 in Deutschland an Bedeutung eingebüßt hätten. An deren Stelle sei die symbolisch besetzte D-Mark getreten. Gegen das deutsche Klammern an der Mark sei ein Mittel indiziert: Die zukünftigen Währungsunionspartner müßten gefälligst einen ähnlich schmerzhaften Verzicht leisten: „Eine gemeinsame Währung, auch wenn sie D-Mark stabil ist, allein kann dem vereinten Europa internationales Gewicht nicht bringen: Dazu bedarf es europäischer nuklearer Waffen.“

Daran wird längst gearbeitet. Am 25.

März 1997

Sie haben etwa 52% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 48% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema Europa

Schutzzölle und Ratlosigkeit: Europa und der China-Schock

von Merle Groneweg

Schon im Mai 2024 schrieb Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in seiner Kolumne für die »New York Times«, inzwischen sei klar, »dass sich ein zweiter China-Schock aufbaut«. Der sogenannte erste China-Schock bezieht sich auf die 1990er und 2000er Jahre, als Importe aus China schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der USA verdrängten.