Ausgabe Dezember 1997

Reden zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1997

Wer meine Romane liest, darf niemals Kriege wollen. Dankwort von Yasar Kemal (Auszüge)

Günter Grass' Laudatio auf Friedenspreisträger Yasar Kemal - für CDU-Generalsekretär Peter Hintze markierte sie einen "intellektuellen Tiefstand" - hat polarisiert. Der Schriftsteller hatte am 19. Oktober in der Frankfurter Paulskirche darauf hingewiesen, daß im Südosten der Türkei ein Krieg stattfindet und daß die Bundesrepublik daran nicht unschuldig ist. Und Grass hatte "endlich staatsbürgerliche Rechte" für die Millionen Kurden und Türken in der Bundesrepublik gefordert - just als die CDU (wieder einmal) entschied, daß es mit ihr keine doppelte Staatsbürgerschaft geben werde (vgl. den Beitrag von H. Rittstieg auf Seite 1418 in diesem Heft). In der so ausgelösten Debatte über politisches und literarisches Beurteilungsvermögen sowie die Rolle der Intellektuellen in Deutschland wurde fast vergessen, was der Preisträger selbst zum Krieg der Türkei gegen die Kurden gesagt hatte. Wir dokumentieren beide Reden in Auszügen. - D. Red.

Ich bin ein Mann der Dichtkunst. Und seit ich mich mit dieser Kunst befasse, habe ich mich bemüht, das mir Bestmögliche zu tun. Ich sagte: ein Mann der Dichtkunst und nicht: ein Mann der Literatur.

Denn bevor ich zu schreiben begann, war ich Sagenerzähler und Sammler von Folklore.

Dezember 1997

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Kultur