Wenn es um die Beschäftigungswirkungen der Herstellung und des Einsatzes neuer Technologien geht, dann argumentieren EU-Kommission und Bundesregierung in der Regel aufreizend großzügig: Der Weg in die Informationsgesellschaft etwa soll, folgt man den einschlägigen EU-Dokumenten, in den kommenden Jahren bis zu fünf Millionen zusätzliche Arbeitsplätze in der Europäischen Union 1) und nach Angaben der Bundesregierung bis zu 1,5 Millionen allein in Deutschland 2) mit sich bringen. Auch vom kommerziellen Aufbruch in die neue Biotechnologie erwartet man bereits bis zum Jahr 2000 zwei Millionen Arbeitsplätze in der EU. 3) Derart zur Schau gestellte Zuversicht in die positiven Beschäftigungseffekte neuer Technologien speist nicht nur große Hoffnungen auf eine nachhaltige Reduzierung der Massenarbeitslosigkeit durch ein hohes Innovationstempo und eine schnelle Diffusion neuer Techniken, sie dient im Fall der neuen Biotechnologie zugleich als Argument im Ringen um gesellschaftliche Akzeptanz für ein neues, umstrittenes Technologiefeld.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.