Sollte eine Zentralbank Wirtschaftswachstum, Preisstabilität und Vollbeschäftigung auf ihre Agenda setzen? Oder sollte sie sich ganz auf die Inflationskontrolle konzentrieren? Diese Debatte wird gerade in Europa geführt, wo die Rufe sozialdemokratischer Regierungen nach niedrigeren Leitzinsen lauter werden, nachdem die nationalen Zentralbanken der neuen Europäischen Zentralbank weichen mußten. In den Vereinigten Staaten, wo Vollbeschäftigung per Bundesgesetz als ein Politikziel vorgeschrieben ist, kommt es im Kongreß regelmäßig zu Anträgen der Republikaner, die Zentralbank allein auf Inflationsbekämpfung anzusetzen. Seit Anfang der 80er Jahre hat eine Handvoll Staaten förmlich erklärt, übergeordnetes Ziel der Geldpolitik sei eine niedrige und stabile Inflationsrate. Zu diesen Staaten zählen Neuseeland, Kanada, Großbritannien und Schweden. Die Wächter der strikten Anti-Inflationspolitik führen sie als Beispiele an, wenn sie behaupten, eine solche Festlegung der Notenbank würde die Wirksamkeit der amerikanischen Wirtschaftspolitik steigern. Dieser Meinung liegt ein merkwürdiges Verständnis von "Wirtschaftspolitik" zugrunde. Der Begriff wird nicht im Sinne von steigendem Lebensstandard, Vollbeschäftigung, Angleichung der Einkommen oder ähnlichen Verbesserungen im amerikanischen Wohlstandsgefüge verwendet.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.