Der Karikaturist Haitzinger, auch sonst nicht durch ein Übermaß an Feingefühl beruflich behindert, machte die Sache auf seine Weise deutlich: Er legte Gregor Gysi auf den Operationstisch des Schönheitschirurgen Dr. Lafontaine. Die amputierten Bockshörner des PDS-Mannes liegen bereits am Boden, den noch bluttriefenden Schwanz hält der SPD-Chef triumphierend in der Hand, nur der Pferdefuß ist noch dran. Alles klar: der pfiffige Oskar hat dem schlauen Gregor die Attribute des Teufels weggenommen, und beide, Arzt und Patient, schauen sehr zufrieden drein. Sozusagen ein gelungener Beitrag zur Gesundheitsreform. Aber daß mit solchen Operationen die Gesundheitslage der Nation verbessert werden könnte, ist unter Sozialdemokraten umstritten und wird von der Opposition wütend kritisiert. Wolfgang Schäuble glaubt die SPD an den Zwangszusammenschluß von SPD und KPD im Jahre 1946 erinnern zu müssen und meint, der Kurs Lafontaines entziehe den Sozialdemokraten, die sich damals gegen die Kommunisten gewandt hätten, ihre historische Legitimation.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.