Tony Blairs flotter Spruch, er wolle weder links noch rechts, sondern vielmehr "vorne" sein, kokettiert zweifellos mit der verbreiteten Ansicht, die Orientierungsmarken "links" und "rechts" seien bestenfalls noch geeignet, der "Neuen Mitte", nach der sich alles drängt, ein wenig historische Kontur zu verleihen. Wie soll man in der Tat diesem symbolpolitisch attraktiven, aber eher farblosen Ort Glanz verleihen, wenn man nicht gelegentlich mit den "Extremen" droht; Bewährte Deutungs- und Orientierungsmuster werden unweigerlich neu aufgeladen, wenn die historische Machtkonstellation umbricht, die sie getragen hat. Und neue Orientierungsmuster haben nur dann eine Chance, wenn sie auch vergangene Erfahrungen ins rechte Licht rücken. Kontinuierliche Verwendung und diskontinuierliche Bedeutung - das kann man getrost als "Normalität" solcher Orientierungsschemata ansehen. Ich möchte einige Vermutungen darüber anstellen, welche Kräfte den öffentlichen Verkehrswert des Links-Mitte-Rechts-Schemas nach 1990 verschoben haben, teils bestimmt durch den Kontakt des Schemas mit den historischen Ereignissen, teils durch den Druck längerfristiger Verschiebungen im massendemokratischen Macht- und Öffentlichkeitsgefüge.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst seit Jahrzehnten und erreicht inzwischen demokratiegefährdende Ausmaße. Dabei droht die neoliberale Ökonomisierung der Politik in eine autoritäre Politisierung der Ökonomie zu kippen, die nicht nur die Demokratie, sondern auch den Wettbewerb untergräbt.