Vor gut eineinviertel Jahren, am 29. April 1998, ist das neue Energierecht in Deutschland in Kraft getreten. Damit waren nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch faktisch die Tage der Gebietsmonopole in der Stromwirtschaft gezählt. Seit diesem Zeitpunkt kann - zumindest in der Theorie - jeder Stromverbraucher seinen Versorger selbst wählen. Das Herzstück der Reform ist der sogenannte "offene Netzzugang" für Verbraucher und Versorger. Die Stromversorgungsunternehmen müssen die Bewirtschaftung ihrer Übertragungsnetze von ihren anderen unternehmerischen Aktivitäten trennen und als gesonderte Betriebsabteilung führen - mit eigener Bilanz und eigener Gewinn- und Verlustrechnung. Dies ist erforderlich, weil die Netzbetreiber ihre Netze anderen "diskriminierungsfrei" für Durchleitungen zur Verfügung stellen müssen. Die Kosten, die sie dafür in Rechnung stellen, dürfen nicht höher sein, als sie in vergleichbaren Fällen innerhalb des Stromversorgungsunternehmes selbst veranschlagt werden. Strom soll zur ganz normalen Handelsware wie Autos oder Stangenspargel werden. Der Weg zum Wettbewerb, wo jahrzehntelang Monopole die Branche bestimmt hatten, ist ein mühevoller und zum Teil sehr unübersichtlicher Prozeß.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.