Der Show-down fand nicht statt: Nach den monatelangen kontroversen Auseinandersetzungen um den künftigen Kurs der europäischen Sozialdemokraten ist auf dem Pariser Kongress der Sozialistischen Internationale Anfang November der Eklat vermieden worden. Blair, Schröder und Jospin haben ihre Reden gehalten; eine Pariser Erklärung ist verabschiedet worden, in der sich die Hauptprotagonisten mehr oder minder wiederfinden können; die Matadoren kehren in die Mühen ihres innenpolitischen Alltags zurück. Immerhin können die Franzosen zufrieden sein: Tony Blair, der noch 1997 am liebsten die als altmodisch eingestufte Sozialistische Internationale sprengen und stattdessen mit Hilfe der US-Demokraten und der Partei Romano Prodis einen lockeren Mitte-Links-Verbund bilden wollte, hat zurückgesteckt. Der Sozialistischen Internationale (die unter der Präsidentschaft des Willy-Brandt-Nachfolgers Pierre Mauroy zahlreiche neue Mitglieder aus Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika aufnehmen konnte und nunmehr 170 Mitgliedsparteien zählt), gelang es, ihre Position als internationaler Bund sozialdemokratischer und progressistischer Parteien zu festigen.
Viele Beobachter hatten Marine Le Pen schon abgeschrieben, manche Umfrageinstitute erhoben nicht einmal mehr Zustimmungswerte für sie. Nachdem sie wegen der systematischen Unterschlagung von EU-Geldern mit einer fünfjährigen Unwählbarkeit belegt worden war, schien die politische Karriere der Rechtsextremen beendet.