Ausgabe März 2000

Montenegro und der Westen

Trotz Stabilitätspakt für Südosteuropa stehen die Zeichen auf Sturm. In Serbien hat Milosovic wieder einmal die Opposition und die Bevölkerung, im Bestreben ihn los zu werden, ermüdet. Nichts funktioniert mehr außer dem von der Clique Milosevics beherrschten und florierenden Schwarzhandel. In Bosnien-Herzegowina ist die Föderation zwischen Kroaten und Muslimen so theoretisch wie die Einheit eben dieser Föderation und der serbischen Republik Srpska. Im Kosovo unterlaufen die UÇK und deren Geldgeber die mühsamen Bemühungen von UNMIK und KFOR, funktionierende Zivilstrukturen zu entwickeln. Und zu allem Überfluß scheint Montenegro sich in nächster Zeit aus der Republik Jugoslawien verabschieden zu wollen. Verständlich ist der Wunsch Montenegros schon, sich aus der auf Absturz programmierten halsstarrigen serbischen Politik zu befreien. Zumal der Präsident von Montenegro, Milo Djukanovic, während des Kosovo-Krieges eindeutig auf der Seite der NATO stand und ihm Milosevic das nicht vergessen wird.

Immerhin erhielt Djukanovic dafür vom amerikanischen Außenministerium schon im März vergangenen Jahres noch während des Luftkrieges Schützenhilfe.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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