Ausgabe April 2000

Briefe an die grüne Basis

Offener Brief auf Initiative des Bundesvorstandes vom 3. März 2000 (Auszug)

Gelebte Demokratie, das heißt oft auch, daß die "die da unten" an "die da oben" schreiben, Petitionen oder Appelle verfassen und mal mehr, mal weniger untertänig - darum bitten, ihr Standpunkt möge Gehör finden. Bei den Grünen sieht das mit der Herrschaft des (Partei-)Volkes manchmal noch anders aus. Oder wie soll man es begreifen, daß kurz vor einem Parteitag auf Initiative des Bundesvorstands fast die gesamte Parteiprominenz (via Presse und Internet) einen Brief an die Basis abschickt, damit die den Delegierten mit auf den Weg gibt, es gelte "Entschlossenheit und Geschlossenheit", "Realismus und Hartnäckigkeit"~ sowie "Kompromissbereitschaft und Grundsatztreue" zu beweisen ? Und was ist davon zu halten, wenn diese versammelte Prominenz sich selbst und den Adressaten versichert, die Bundesdelegiertenkonferenz werde "sicherlich souverän in der Sache entscheiden"? Bei vielen Grünen, oben und unten, liegen die Nerven blank. Zwei Themen sind es, die die Partei wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen spalten: der Atomaustieg und die Strukturreform. Wir dokumentieren die Argumentation des Bundesvorstands sowie den wenige Tage später veröffentlichten Gegenbrief auf Initiative von Christian Simmert (MdB).

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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