Ausgabe September 2000

Im Mantel der Menschenrechtler

Die neue Gesellschaftsfähigkeit der Vertriebenenverbände

Fernab von gesellschaftlicher Realität und politischer Relevanz, so scheint es oft, fristen die Vertriebenenverbände ihr Dasein. War ihr Einfluss auf innen- und außenpolitische Entwicklungen von der Gründungsphase der Bundesrepublik bis hinein in die Ära Kohl evident, so muten die Verlautbarungen des noch über zwei Mio. Mitglieder zählenden Bundes der Vertriebenen (BdV) und der ihm angegliederten Landsmannschaften heute bisweilen anachronistisch an. Die Vertriebenenverbände haben es jedoch in den letzten Monaten geschickt verstanden, ihre Thesen in der Öffentlichkeit zu platzieren. Mit ihren im Kontext des Krieges gegen Jugoslawien und der Flucht der Kosovo-Albaner aufgestellten Forderungen nach internationaler Verankerung eines "Rechtes auf die Heimat" sowie mit dem im Zusammenhang der Zwangsarbeiterentschädigungsdebatte initiierten Diskurs über die Entschädigung "sudetendeutscher Opfer tschechischer Gewalt" gelang es ihnen, politisch brisante Themen aufzugreifen und den eigenen Interessen entsprechend zuzuspitzen.

Kosovo und Zwangsarbeiterentschädigung

Im Fall Kosovo verknüpften die Vertriebenenverbände die dortige Fluchtbewegung mit der Umsiedlung der Deutschen infolge des Zweiten Weltkrieges.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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