Ausgabe April 2001

Zurückweisung und Integrationsverweigerung

Zur überfälligen Humanisierung des Asylrechts

Drei Gründe geben seit 1989 Anlass zu verstärkter Fluchtmigration: zunächst die Ethnisierung ehemals realsozialistischer Gesellschaften Europas und in der Folge pogromartige Verfolgung ethnischer Minderheiten, Bürgerkriege, "ethnische Säuberungen", Diskriminierungen jeder Art. Etwa zwei Drittel aller in den Jahren 1989 bis 1994 zu verzeichnenden Asylbewerber/innen rekrutierten sich aus dieser Gruppe. Des Weiteren sind die sozialen und politischen Krisenherde an der inneren und äußeren Peripherie Europas von immenser Bedeutung, allen voran die Autonomiebestrebungen der Kurden in der Türkei und der Krieg, den die Regierung der Türkei gegen die kurdische Guerilla und deren soziales Umfeld führt; sodann die anhaltende Zerklüftung der Gesellschaften zunächst des Libanon und dann Algeriens mit der Folge eines Zerfalls staatlicher Autorität und sowohl staatlichen wie nichtstaatlichen Terrors. Erst an dritter Stelle rangieren politische Verfolgung, Bürgerkriege und Genozide in entfernteren Staaten der Welt. Hier geraten Iran, Afghanistan, Sri Lanka in den Blick, nicht zu vergessen die Staaten Schwarz-Afrikas wie Sudan, Somalia, Ruanda, Nigeria, Zaire/Kongo und Togo.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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