Ausgabe April 2002

Halbherzige Rehabilitierung

Ende Februar legten die Bundestagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen einen Gesetzentwurf vor (Drucksache 14/8276), der das 1998 verabschiedete Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile ergänzen soll. Insbesondere Verurteilungen nach Paragraph 175 und wegen Desertion, Feigheit oder unerlaubter Entfernung von der Truppe sollen jetzt eindeutig aufgehoben werden. Die Koalitionsfraktionen kommen damit einem Entschließungsantrag nach, den sie im März 2000 selbst eingebracht hatten (Drucksache 14/2984). Vor allem aber reagieren sie auf einen von der PDS ein Jahr später vorgelegten Gesetzentwurf (Drucksache 14/5612), bei dem es sich um nichts anderes als um den SPD-Entwurf aus Vorregierungszeiten zum selben Thema handelt. Dieser alte, aber manchmal effektive Oppositionstrick hatte schon 1998 funktioniert. Denn erst als die damalige Opposition den Entwurf des FDP-Justizministers aufgriff, sahen sich die Unionsparteien zum Handeln gezwungen und lenkten ein.

Diesmal lief es ganz ähnlich. Nachdem über den seit März 2001 vorliegenden PDS-Antrag immer noch nicht entschieden worden war, fand am Abend des 31. Januar dieses Jahres auf Verlangen der Antragsteller eine laut Bundestagsgeschäftsordnung mögliche Aussprache darüber statt, warum die Behandlung dieses Themas immer wieder aufgeschoben werde.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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