Ausgabe Juni 2002

Afghanistan, der Krieg geht weiter

Afghanistan, ein Land nach dem Krieg? Glaubt man dem Zweckoptimismus, den US-Armeesprecher General Bryan Hilferty am 11. März dieses Jahres verbreitete, wäre die Schlacht vorbei und der Kampf gegen Taliban und Al Qaida erfolgreich abgeschlossen. Vor Beginn der "Operation Anaconda" hieß es im Pentagon, es handele sich um eine Schlacht gegen die "letzte große Konzentration" von Bin Ladens Kämpfern. Nach zweiwöchigen Kämpfen um Schahikot in der Provinz Paktika Anfang März, an denen 2500 US-amerikanische, europäische und afghanische Soldaten beteiligt waren, gab das Pentagon offiziell bekannt, von geschätzten über 1000 gegnerischen Kämpfern seien bis zu 800 getötet worden. US-Offiziere, die dabei waren, gaben demgegenüber zu, dass sie im Gelände lediglich dreißig und in den Höhlen weniger als zwanzig Leichen gefunden hätten. Sicher ist wieder einmal nur, dass bei der Operation zahlreiche Zivilisten umkamen.

Bereits am 19. März räumte General Franklin Hagenbeck, der Kommandeur der US-Bodentruppen in Afghanistan, ein, dass weitere Operationen erforderlich seien und unmittelbar bevorstünden. Tatsächlich befinden sich Einheiten von Taliban und Al Qaida im Osten und Süden Afghanistans, unter anderem an der Grenze zu Pakistan.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.