Seit fast einer Generation begleitet die bundesdeutsche Kernkraft-Diskussion eine Debatte über geeignete Techniken und akzeptable Standorte für die Endlagerung radioaktiver Abfälle. 99% der Radioaktivität aller Abfälle ist in den wärmeentwickelnden Abfällen enthalten, die zu einem großen Teil aus langlebigen Radionukliden bestehen und insgesamt unter 10% der Abfallmenge ausmachen – rund 24000 Kubikmeter dieser Abfälle werden bis 2040 entstehen, 8400 Kubikmeter gab es in Deutschland bereits Ende 2000.1 Die Auseinandersetzungen um Gorleben als potentiellen Standort halten auch deshalb seit 25 Jahren an, weil die Kriterien für die Auswahl dieses Standortes den Betroffenen vor Ort nicht einsichtig gemacht werden konnten. Vor allem entstand in der Region nie das Gefühl, dass neben Gorleben weitere mögliche Standorte untersucht wurden. Nur dies wäre aber ein Verfahren, mit dem das politische Klima in der Region um Gorleben wirklich verbessert werden könnte.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.