Ausgabe April 2003

Der eigentliche Kern der Irak-Kontroverse

Präsident George W. Bush ist zum Mittelpunkt einer gewaltigen internationalen Kontroverse geworden, die sich seiner Auffassung nach um den richtigen Umgang mit dem Irak dreht. Alle anderen wissen, dass der Streit sich um die Bush-Administration dreht und darüber hinaus um die künftige Rolle der Vereinigten Staaten im Weltsystem.

Ohne es zu wollen – und ohne zu begreifen, was da geschieht – muss Washington sich heute mit der Möglichkeit herumschlagen, dass die UNO doch nicht irrelevant ist.

Kritiker fragen zu Recht, warum die Vereinigten Staaten sich dem Urteil der UNO beugen sollten – dieser Organisation von Regierungen, unter denen nur wenige demokratisch sind, aber viele den Bürgerund Menschenrechten beklagenswert wenig Respekt erweisen. Die Antwort lautet schlicht, dass die UNO das einzige Forum ist, in dem die Staaten und Völker dieser Erde sich über internationale Angelegenheiten ein gemeinsames Urteil bilden können.

Das internationale System beruht auf dem Prinzip absoluter Souveränität der Staaten. Das hat nichts mit den Verdiensten oder der Moral von Regierungen zu tun. Trial and Error, Versuch und Irrtum, erwiesen dieses System als das am wenigsten schlechte unter allen internationalen Systemen der Diplomatie und des Rechts. Und die UNO ist das geschäftsführende Organ diesesSystems, das die Ausübung einer Art internationaler Autorität ermöglicht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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