Ausgabe Mai 2003

Ölkolonie oder mesopotamischer Tiger?

Irakische Wirtschaftsperspektiven

Vor den letzten beiden Golfkriegen wurde unter den arabischen Staaten einzig der Irak als fähig angesehen, den Schritt von einem Entwicklungsland zu einem sich industrialisierenden Schwellenland (Newly Industrializing Country/ NIC) zu schaffen. Das Land verfügt über eine Vielzahl von Ressourcen, die für einen erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklungsprozess benötigt werden. Vor den beiden Kriegen konnte der Irak seine technische und soziale Infrastruktur erheblich ausbauen und verfügte über gut ausgebildete und, an nahöstlichen Standards gemessen, disziplinierte Arbeitskräfte. Die auf Öleinnahmen basierende Wirtschaftsplanung war relativ erfolgreich. In den späten 70er Jahren führte das Zusammenspiel dieser vorteilhaften Faktoren zu eindrucksvollen Wachstumsraten in der Industrie und zu erheblich verbesserten Lebensbedingungen für die Bevölkerung.1

Der Krieg gegen den Iran in den 80er Jahren fügte Landwirtschaft, Industrie und Infrastruktur jedoch schwere Schäden zu, die für einen fortgesetzt erfolgreichen ökonomischen Entwicklungsprozess notwendigen menschlichen und materiellen Ressourcen wurden auf die Kriegsanstrengungen konzentriert. Die bloße Notwendigkeit, die militärische Konfrontation wirtschaftlich zu überleben, ersetzte die nationale bzw.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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