Ausgabe Mai 2003

Ölkolonie oder mesopotamischer Tiger?

Irakische Wirtschaftsperspektiven

Vor den letzten beiden Golfkriegen wurde unter den arabischen Staaten einzig der Irak als fähig angesehen, den Schritt von einem Entwicklungsland zu einem sich industrialisierenden Schwellenland (Newly Industrializing Country/ NIC) zu schaffen. Das Land verfügt über eine Vielzahl von Ressourcen, die für einen erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklungsprozess benötigt werden. Vor den beiden Kriegen konnte der Irak seine technische und soziale Infrastruktur erheblich ausbauen und verfügte über gut ausgebildete und, an nahöstlichen Standards gemessen, disziplinierte Arbeitskräfte. Die auf Öleinnahmen basierende Wirtschaftsplanung war relativ erfolgreich. In den späten 70er Jahren führte das Zusammenspiel dieser vorteilhaften Faktoren zu eindrucksvollen Wachstumsraten in der Industrie und zu erheblich verbesserten Lebensbedingungen für die Bevölkerung.1

Der Krieg gegen den Iran in den 80er Jahren fügte Landwirtschaft, Industrie und Infrastruktur jedoch schwere Schäden zu, die für einen fortgesetzt erfolgreichen ökonomischen Entwicklungsprozess notwendigen menschlichen und materiellen Ressourcen wurden auf die Kriegsanstrengungen konzentriert. Die bloße Notwendigkeit, die militärische Konfrontation wirtschaftlich zu überleben, ersetzte die nationale bzw.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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