Ausgabe August 2003

Kosovo: Vom Schlechten zum Schlimmeren?

Als der deutsche Diplomat Michael Steiner im Mai 1997 sein Amt als stellvertretender Hoher UN-Repräsentant in Bosnien aufgeben musste, schrieben Tausende Bosnier Bittbriefe nach Bonn, ihn im Lande zu lassen – vergebens. Als Steiner im Februar 2002 im Kosovo seinen neuen Posten als Sondergesandter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen (SRSG) antrat, stieß er allenthalben auf "Erwartungen, die mir fast ein bisschen unheimlich sind [...], es ist so, dass man fast zu viel erwartet". Als der vermeintliche "Strongman" den Job am 30. Juni 2003 überstürzt verließ, hallten ihm Flüche nach: Nexhat Daçi, albanischer Präsident des Kosovo-Parlaments, verteufelte ihn öffentlich als "Instrument des serbischen Imperialismus" – Nebojša Čović, serbischer Vizepremier und Kosovo-Beauftragter Belgrads, nannte ihn "den verlängerten Arm albanischer Ansprüche". Und die internationale Gemeinschaft verordnete auf dem EU-Gipfeltreffen in Thessaloniki Belgrad und Priština Ende Juni bilaterale Gespräche "über alles, ausgenommen den finalen Status des Kosovo".

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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