Im 21. Jahrhundert hat das organisierte Verbrechen auf dem Balkan etwas erreicht, was in früheren Jahrhunderten große Reiche vollbrachten – die Römer, Byzantiner, Osmanen, Habsburger und für kurze Zeit Hitlers Drittes Reich: die unzähligen rivalisierenden ethnischen Gruppen der Region zu zwingen, für ein gemeinschaftliches Ziel zusammenzuarbeiten. Der Unterschied liegt natürlich im Zwang und in den Anreizen. Frühere Reiche kombinierten dosierte Begünstigungen für Kooperationswillige mit roher Gewalt gegen jene, die Widerstand leisteten. Das Reich der organisierten Kriminellen setzt für seine Unternehmungen wie Drogenschmuggel und -verkauf, Frauenhandel und die grenzüberschreitende Schieberei von Schmuggelware auf einen zeitgemäßeren Anreiz – das Motiv Profit. Selbstverständlich wird auch Druck ausgeübt, sei es Erpressung unterschiedlichen Ausmaßes oder auch Mord. Das soll allerdings nicht heißen, das organisierte Verbrechen wäre wie Schopska-Salat ausschließlich eine Spezialität des Balkans. Vielmehr ist in diesen Zeiten der allgegenwärtigen Armut, der durch eine Serie von Bürgerkriegen hervorgerufenen physischen und sozialen Ruinen sowie der schwachen Zentralregierungen die organisierte Kriminalität zum größten Industriezweig der Region aufgestiegen.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.