Ausgabe Januar 2004

Ressourcenkonflikt im Kaukasus

Europa und das kaspische Öl

Seit Anfang der 90er Jahre gerät der zentralasiatische Raum immer stärker in den Fokus der großen Mächte. Der Grund hierfür liegt in den Energiereserven in und um das Kaspische Meer. Die genaue Größenordnung der Öl- und Gas-Vorkommen ist bisher zwar noch unbekannt. Schätzungen sorgen jedoch bereits heute bei potentiellen Abnehmern für leuchtende Augen. Schon wird die Region zusammen mit dem Persischen Golf als neue "Strategische Energieellipse" bezeichnet.1 In Europa ist von dieser Aufbruchsstimmung noch wenig zu spüren. Während Russland, die Vereinigten Staaten, China sowie die regionalen Anrainerstaaten bereits strategische Rivalitäten um Energieressourcen und Pipelinetrassen austragen, steht die EU bei diesem "New Great Game" im energiepolitischen Abseits.2 Es stellt sich also die Frage, ob der Region bei der europäischen Energieversorgung nicht größeres Gewicht beigemessen werden muss. Dies hängt maßgeblich davon ab, wie die Versorgungssicherheit Europas in Zukunft geleistet werden kann.

Bereits seit Mitte der 90er Jahre nahm die Europäische Kommission mehrere Anläufe, um in den Mitgliedstaaten eine verstärkte Diskussion über die Energiesicherheit der Gemeinschaft in Gang zu setzen – ohne nennenswerten Erfolg.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.