Ausgabe Oktober 2004

Iranisches Katz-und-Maus-Spiel

Der Konflikt um das iranische Atomprogramm spitzt sich immer mehr zu. Die USA und vor allem Israel scheinen davon überzeugt zu sein, dass Iran weiter an der Atombombe baut. "Der Iran hat nicht die Absicht, sein Atomprogramm zu beenden", sagte der israelische Militärgeheimdienstchef General Aharon Seevi-Farkasch im israelischen Fernsehen, "und wenn es ihm gelingt, es bis Frühjahr 2005 fortzusetzen, wird er in den folgenden zwei Jahren die Atombombe besitzen."1 Israels Geheimdienste sollen der Regierung bereits Pläne vorgelegt haben, wonach, ähnlich wie 1981 im Irak, die iranischen Nuklearanlagen in einem Blitzangriff bombardiert werden könnten.

Die Frage, ob Iran tatsächlich Nuklearwaffen plant, kann letztlich wohl nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten beantworten. Iran selbst bestreitet vehement derartige Absichten. Ziel des iranischen Atomprogramms sei ausschließlich die friedliche Nutzung der Nukleartechnologie mit dem Ziel der Unabhängigkeit der Energieversorgung, beteuert die iranische Staatsführung immer wieder.

Und in der Tat reicht das, was bis jetzt nach außen durchgesickert ist, zu einer eindeutigen Beurteilung des iranischen Atomprogramms nicht aus. Alles, was durch Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) entdeckt oder von Teheran selbst offen gelegt wurde, kann zwar zur friedlichen Energienutzung verwendet werden - aber auch zum Bau der Bombe.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.