Ausgabe Oktober 2004

Antisemitismus in der islamischen Welt

Externe und interne Ursachen in historischer Perspektive

In der islamisch geprägten Welt kursieren seit Jahrzehnten Behauptungen über "jüdische Ritualmorde" oder "jüdische Verschwörungen", die ansonsten mit nationalsozialistischer und völkischer Ideologie in Verbindung gebracht werden. Selbst die längst als Fälschung entlarvten "Protokolle der Weisen von Zion", die bedeutendste Hetzschrift des europäischen Antisemitismus, erreichen dort hohe Auflagen. Derartige Auffassungen sind nicht auf gesellschaftlich marginale Gruppierungen und Personen beschränkt. Vielmehr finden sie sich auch bei angesehenen Politikern, in bedeutenden Organisationen sowie in etablierten Medien und staatlichen Veröffentlichungen.1

Was sind die Ursachen für die Akzeptanz des europäisch geprägten Antisemitismus in der islamisch geprägten Welt? In der bisherigen Debatte und Forschung haben sich zwei Positionen herausgebildet. Die eine Richtung, repräsentiert durch Matthias Küntzel und Robert Wistrich, geht davon aus, dass die Zuspitzung des Nahost-Konfliktes durch den bereits bestehenden Antisemitismus in der islamisch geprägten Welt bewirkt wurde. Die andere Richtung, vertreten von Michael Kiefer und Bernard Lewis, meint, dass der Antisemitismus in der islamischen Kultur erst als Reaktion auf die Konflikte zwischen Israel und den Arabern aufkam.2 Dieser Beitrag widmet sich der Frage, inwieweit der Antisemitismus in der islamischen Welt Ergebnis externer oder interner Bedingungsfaktoren ist.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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