Ausgabe November 2004

Im Sumpf

Das Scheitern der USA von Vietnam bis Irak

Als die USA vor drei Jahren den Krieg gegen Afghanistan begannen - der eigentlich einer gegen Al Qaida sein sollte -, ließen greifbare Fortschritte ziemlich lange auf sich warten. Erst als man sich der Nordallianz als Bündnispartner versicherte, stellten sich erste "Erfolge" ein. So trat am 27. November 2001 ein gut gelaunter Verteidigungsminister Donald Rumsfeld voller Zuversicht vor die von ihm sonst so verachteten Pressevertreter, die, nach einer seiner berühmt gewordenen Aussagen, "über die Konzentrationsfähigkeit von Mücken" verfügten.1 Es habe so ausgesehen, erläuterte er ihnen ungewohnt geduldig, "als sei unsere Technik zu kompliziert, bis wir schließlich in der Lage waren, sie den Bedingungen auf dem Kriegsschauplatz anzupassen". Rumsfeld weiter: "Es sah so aus, als passiere gar nichts. Ja, es sah wirklich so aus, als steckten wir in einem", an dieser Stelle machte der Verteidigungsminister eine Kunstpause, als fordere er die Journalisten auf, alle zusammen einzustimmen, "in einem Sumpf."2

Das Wort Sumpf, auf englisch "Quagmire", meint laut Lexikon "eine Art sumpfigen oder morastigen Boden, dessen Oberfläche unter den Füßen dessen, der ihn betritt, nachgibt, einen Morast". Daneben wird das Wort auch im übertragenen Sinn benutzt als Bezeichnung für "eine Situation aus der herauszukommen sehr schwierig ist"3 und könnte in diesem Sinne mit dem deutschen Begriff "Schlamassel" übersetzt werden.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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