Ausgabe März 2005

Taiwanische Farbenlehre

Grün oder Blau, das ist in der politischen Landschaft Taiwans die Frage; ein Dazwischen gibt es kaum. Die beiden Farben symbolisieren die zwei gegensätzlichen politischen Lager in einer der jüngsten Demokratien Asiens.

Wie konträr sich diese gegenüberstehen, wurde im vergangenen "Superwahljahr" deutlich. Im März 2004 wählten die Taiwaner den Präsidenten und im Dezember das Parlament. Beide Wahlen sorgten schon im Vorfeld für große Aufregung – sowohl in Taiwan als auch in Peking und Washington. Die Insel präsentierte sich als tief gespalten zwischen Blau und Grün.

Blau steht dabei für die Nationale Volkspartei, die Guomindang (GMD), und deren Verbündete, Volksnahe Partei (PFP) und Neue Partei (NP). Die GMD kam 1949 nach Taiwan, als die Nationalisten um Chiang Kai-shek den chinesischen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten unter Mao Zedong verloren hatten. Seither existieren faktisch zwei Chinas: die Volksrepublik (VR) und die Republik China auf Taiwan. Die VR besteht allerdings weiter auf dem "Ein-China-Prinzip", wonach die "abtrünnige Provinz" Taiwan ein untrennbarer Teil des chinesischen Mutterlandes ist. Weltweit haben sich lediglich 27, zudem wenig bedeutende Staaten diesem Prinzip verweigert, indem sie Taiwan diplomatisch anerkannten.

Bis 1987 herrschte die GMD mit Hilfe des Kriegsrechts auf Taiwan. Schon aufgrund ihrer Herkunft steht sie in einem eher offenen, interessierten Verhältnis zum Festland.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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