Ausgabe November 2005

Das Empire im Zweifrontenkrieg

In den frühen 70er Jahren war es, als die so genannte Dritte Welt die metropolitanen Industriestaaten in die Defensive drängte: Gerade hatte der durch die OPEC ausgelöste Erdölschock wellenartig den Globus überrollt; andere Rohstoffkartelle versuchten nachzuziehen; in Lateinamerika gärte es revolutionär. Dritte-Welt-Staaten, angefeuert von Rot-China, setzten in den Vereinten Nationen die „Charta der Rechte und Pflichten der Staaten“ durch, eine quasi-völkerrechtliche Aufforderung zur Nationalisierung von ausländischen Konzernen mit ihren Rohstoffextraktionen. Derweil begann Fidel Castros Kuba in Afrika mit einer revolutionsunterstützenden Militärkampagne, die auf ihrem Höhepunkt 50 000 Kampfsoldaten, 1000 Panzer und 1600 Artilleriegeschütze umfasste und Südafrikas Apartheid-Regime, Stützpunkt des Westens gegen die Dritte Welt, eine demütigende Niederlage beibrachte.

Was also tun? Zur Beantwortung dieser nicht erst seit Lenin immer wieder notwendigen Frage etablierte sich in Washington 1973 die „Trilaterale Kommission“, ein loses Konsortium von mehreren hundert Führungspersönlichkeiten aus den USA, Westeuropa und Japan. Dieses Forum beauftragte erstklassige Analytiker, übrigens nicht reaktionärer, sondern durchaus progressiver Orientierung, mit der Ausarbeitung von Entwürfen, um dem Westen aus der Patsche zu helfen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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