Ausgabe Dezember 2005

Die dritte Fusionswelle

2004 und 2005 entstand eine neue weltweite Fusionswelle, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Es ist die dritte innerhalb von 20 Jahren: Die erste hatte Ende der 80er Jahre im Zeichen der Herausbildung „nationaler Champions“ angesichts zunehmender internationaler Konkurrenz stattgefunden. Sie hatte in der EG durch die bevorstehende Vollendung des europäischen Binnenmarktes zusätzliche Dynamik erhalten. Der Boom auf den Finanzmärkten und in der New Economy waren der Motor der zweiten weltweiten Fusionswelle. Sie fand im Frühjahr 2000 mit dem Platzen der Spekulationsblase ein abruptes Ende. Die Kurse auf den Aktienmärkten halbierten sich innerhalb weniger Monate, und der Umfang der Unternehmenstransaktionen lag 2002 bei knapp 40 Prozent des Jahres 2000. Mittlerweile haben die Finanzmärkte sich erholt, die Kurse sind wieder gestiegen, liegen aber immer noch weit unterhalb ihres Rekordniveaus. Der Dollarwert der Fusionen hat sich 2005 jedoch gegenüber 2002 bereits mehr als verdoppelt und fast die Rekordhöhe des Jahres 2000 erreicht.

Europa hat in diesem Prozess gegenüber den USA aufgeholt. Für die neue Fusionsdynamik in Europa dürften vor allem drei Gründe maßgeblich sein. Erstens haben rigorose Einschnitte bei den Personalkosten – Rationalisierungen, Entlassungen, Lohn- und Gehaltskürzungen, Arbeitszeitverlängerungen – sowie die Senkung der Unternehmensteuern zu einem massiven Anstieg der Gewinne geführt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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