Ausgabe Januar 2006

Kambodschanische Wahrheitsfindung

Im Januar 1976 proklamierten die Roten Khmer offiziell das „Demokratische Kampuchea“. 30 Jahre später scheint es jetzt endlich so weit zu sein, dass dessen Geschichte auch juristisch aufgearbeitet wird: Nachdem die kambodschanische Nationalversammlung im Oktober 2004 infolge jahrelanger Verhandlungen mit den Vereinten Nationen der Einrichtung eines „Sondertribunals“ zustimmte, vor dem sich die ehemaligen Führungskader der Roten Khmer zu verantworten haben, soll dieses Tribunal nun seine Arbeit aufnehmen.1

Obwohl in der Zeit der Herrschaft der Roten Khmer 1975 bis 1979 bis zu zwei Millionen Menschen ihr Leben verloren, sind bislang keine Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden. Selbst Führungsfiguren, wie „Bruder Nr. 2“ Nuon Chea oder das ehemalige Staatsoberhaupt Khieu Samphan leben heute unbehelligt als Rentner im Land. Wie kommt es, dass das Tribunal erst jetzt, mehr als zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Ende der Pol-Pot- Herrschaft, seine Arbeit aufnimmt? Welche Interessen im In- und Ausland standen und stehen ihm entgegen?

Spielball der Großmächte

Die langjährige Verzögerung hat mehrere Ursachen.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Asien

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.