Ausgabe Oktober 2006

Päpstlicher Ausnahmezustand

„Nein, wir können nicht kommen,“ sagen die Bekannten. Der Hauptbahnhof sei gesperrt und man wisse nicht, ob überhaupt Züge fahren. Auf meine als schlechter Witz gemeinte Frage: „Was ist denn los, habt ihr einen Terroranschlag?“, wird ernst geantwortet: „Nein, Terror nicht.“

Meine Bekannten wohnen in Regensburg. Dort war auch der Papst, und das hatte Folgen: Das öffentliche Leben der 150000 Einwohner fand nicht mehr statt. Die gesamte Innenstadt war vollständig abgesperrt, alle Parkplätze schon seit sechs Tagen, Geschäfte und Betriebe geschlossen, weil die Leute nicht zur Arbeit kommen konnten. Wer unabkömmlich war, musste am Arbeitsplatz übernachten. 400 Betten wurden in den Krankenhäusern „für alle Fälle“ leer geräumt, mehrere Operationssäle wurden unbenutzt bereit gehalten. Alle Fenster mussten geschlossen bleiben, und zu den Kundgebungen war es verboten, Regenschirme mitzubringen.

Der Papst ist, das wissen wir jetzt, kein Deutscher, sondern ein Bayer, und mit seinem „privaten“ Besuch in seiner alten Heimat hat er nicht nur dort, sondern in der ganzen Republik den größten Hype seit der Fußball-WM ausgelöst. Die Katholische Kirche ließ sich das Spektakel rund 30 Mio. Euro kosten, aber vielleicht haben ja Angela und Edmund etwas beigesteuert angesichts der wirkungsvollen Werbung für ihre Parteien. Fachleute sprechen von einer hervorragenden PRArbeit der Kurie.

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