Ausgabe Januar 2007

Das neue Große Spiel

Zentralasien und der Kampf der Großmächte

Das klassische „Große Spiel“ wurde im 19. Jahrhundert nach jenem von Rudyard Kipling geprägten Ausdruck zwischen dem Britischen und dem Russischen Reich ausgetragen. In der Hochphase dieses Kampfes um Macht und Einfluss in Zentralasien ging es den imperialen Mächten um die Sicherung bzw. Erschließung des einzig möglichen Landzugangs nach Britisch- Indien, der Perle des britischen Weltreiches. Beide Mächte versprachen sich durch Einfluss in Afghanistan strategische Vorteile. Während Russland den Zugang zum arabischen Meer suchte, ging es England um die Absicherung seiner indischen Kolonien.1 Doch die Einflussversuche der Weltmächte scheiterten, das Große Spiel stagnierte nach erheblichen Verlusten auf beiden Seiten (auf britischer Seite insgesamt rund 52000 Tote), wobei Afghanistan als Pufferzone zwischen den Imperien fungierte. Zur Handlungsunfähigkeit verdammt, verloren die imperialen Mächte bald ihr Interesse an der Fortsetzung der fruchtlosen Auseinandersetzung.

In Folge der Oktoberrevolution und dem anschließenden Bürgerkrieg verschwand Zentralasien hinter dem sowjetischen Eisernen Vorhang. Unter Stalin diente die Region als Experimentierfeld für künstliche Nationenbildung und die Versuche, den Islam auszumerzen, sowie als Deportationsziel unerwünschter Völkerschaften.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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