Ausgabe August 2007

Neue Linke, neue Lage

Die mediale Resonanz auf die Gründung der neuen Linkspartei war gewaltig. Doch in erster Linie wurde die Neugründung in den Leitmedien der Republik als populistische Zumutung und Anmaßung wahrgenommen. „In Wahrheit, das weiß man, hat die Linke nicht viel zu bieten“, urteilte gewohnt herablassend und stellvertretend für viele „Die Zeit“, um der neuen Partei gleich noch eine eher geringe „Halbwertszeit“ zu prognostizieren.1

Und in der Tat konnten die lauten Töne der neuen Partei durchaus als anmaßend erscheinen. Das beginnt, wie selbst Gregor Gysi eingestand, bereits beim Namen. Die Selbstetikettierung als „Die Linke“ wird in jedem Fall zu Irritationen führen, sowohl linguistischer als auch inhaltlicher Art. Zukünftig wird man nachfragen müssen, ob die Linke mit kleinem oder großem d gemeint ist. Es sei denn, man wollte tatsächlich „Die Linke“ mit der Linken in eins setzen.

Das aber führt zu der zweiten steilen Behauptung. Es gehört, so möchte es scheinen, schon besondere Chuzpe dazu, wenn man wie Gregor Gysi mantraartig postuliert, mit der Gründung der Linkspartei werde die „Einheit der Linken“ vollendet.2 Es sei denn, diese seit dem 16.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien