Ausgabe Februar 2008

Sarkomania - Glamour und Kalkül

Ob Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sein Abonnement des „Time Magazine“ bereits gekündigt hat? Zweifelsohne war er wenig erfreut darüber, dass das amerikanische Blatt nicht ihn, sondern den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum „Mann des Jahres 2007“ gekürt hat: Schließlich dominiert Sarkozy seit seiner Wahl in das höchste Staatsamt Frankreichs die Titelseiten der nationalen und internationalen Presse. Mit scheinbar unbändigem Aktionismus und im strammen 24-Stunden-Rhythmus setzt er Themen, bestimmt die Aktualität: gestern eine Scheidung, heute eine Grundsatzrede, morgen ein Staatsbesuch, übermorgen eine Hochzeit. Sarkozy, der „Omniprésident“, bietet der politischen Konkurrenz nicht ansatzweise Gelegenheit, auf eine seiner Initiativen zu reagieren.

Doch Sarkozy ist nicht nur in der Lage, die politische Landschaft seines Landes zu bestimmen. Er erweckt vielmehr den Eindruck, an allem, was auf der internationalen Bühne geschieht, unmittelbar beteiligt zu sein. Auf diese Weise gelingt es ihm, seinen internationalen Partnern Erfolge streitig zu machen und etablierte Strukturen der Europäischen Union mit Füßen zu treten.

In Europa reagiert man bislang eher zurückhaltend auf die Auftritte des Lieblings der Medien. Mit einer Mischung aus Erstaunen und partnerschaftlicher Höflichkeit lässt man Sarkozy gewähren.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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