Ausgabe September 2009

Unsozial in die Wahl

In der Krise, die einen dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung mit sich bringt und Millionen von Menschen um ihre Zukunft bangen lässt, schlägt, so sollte man meinen, die Stunde der Sozialpolitiker. Und siehe da: In den Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien gibt es durchaus sozialpolitische Vorschläge, die aus der Krise führen und die Republik zukunftsfähiger machen sollen. Doch wie neu und wie sozial sind diese Ideen tatsächlich?

Der CDU-Evergreen: „Sozial ist, was Arbeit schafft“

Am wenigsten sagen jene zum Thema, die die letzten vier Jahre die Kanzlerin gestellt haben. So singen CDU und CSU unverdrossen den Evergreen „Sozial ist, was Arbeit schafft“, der auch in seiner zweihundertdreiundfünfzigsten Wiederholung nicht richtiger wird. So wäre es zum Beispiel sozial, die Löhne in Werkstätten für Behinderte anzuheben oder die Praxisgebühr für gesetzlich Krankenversicherte wieder abzuschaffen. Arbeit schaffen würde das zunächst nicht, es wäre aber sozial gerecht. Für soziale Gerechtigkeit ist jedoch im „Regierungsprogramm“ kein Platz. Stattdessen propagiert die Union „Chancengerechtigkeit“, „Generationengerechtigkeit“ und „Leistungsgerechtigkeit“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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