Ausgabe September 2009

Amerikas Verbohrtheit ist nicht Obamas Schuld

„Obama – der Mann, der glaubt, er sei Präsident“. Diese aufschlussreiche Schlagzeile las ich kürzlich über einem französischen Kommentar zur politischen Situation in Amerika. Der Verfasser, Yves de Kerdrel von der Tageszeitung „Le Figaro“, befand, Obama habe sich als Sternschnuppe erwiesen. Noch sei der Schweif ihrer Flugbahn am Himmel sichtbar, aber der Stern beginne, hinterm Horizont zu verschwinden.

Obamas Popularität, so der Autor, sei den Umfragen zufolge in nur sechs Monaten unter diejenige des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy abgesunken, der bereits seit zwei Jahren amtiert, Krisen durchgestanden, für unpopuläre Reformen gekämpft und sich Feinde gemacht hat.

Dass Amerika sein Bankensystem vorläufig vor dem Kollaps hat retten können, schreibt Kerdrel den unter George W. Bush Verantwortlichen zu. Obama habe seither nur Zeit vergeudet, indem er dem Kongress zusätzliche Regulierungskompetenzen für die US-Bundesbank abzuringen versuchte – also genau für jene Institution, deren ideologisch geprägte Illusionen von der Selbstregulierung der Märkte und deren Laissez-faire-Praxis, die Wall-Street-Banker gewähren zu lassen, in der Vergangenheit hauptverantwortlich für das Entstehen der Krise waren.

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