Ausgabe September 2009

Die neue Landnahme

Globales Agrobusiness und der Ausverkauf der Entwicklungsländer

Der Vertrag, den der südkoreanische Konzern Daewoo Logistics im Juli 2008 mit der Regierung von Madagaskar abschloss, machte weltweit Schlagzeilen: Das Unternehmen wollte 1,3 Mio. Hektar Land, die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Insel, für 99 Jahre pachten und dort unter anderem Futtermais anbauen, um Südkorea, den viertgrößten Maisimporteur der Welt, unabhängiger vom Weltmarkt zu machen. Als Gegenleistung versprach das Unternehmen, in Straßen, Bewässerung und Vorratsspeicher zu investieren.

Dieses Vorhaben von Daewoo Logistics ist aktuell die größte bekannte ausländische Investition in die Landwirtschaft. Aber bei weitem nicht die einzige: Zahlreiche Unternehmen aus Schwellenländern und aus Erdöl exportierenden Staaten haben das offshore farming entdeckt. Während Investoren aus Industrieländern schon lange in Plantagen, in Blumenfarmen oder – ausgelöst durch die Beimischungsverordnung der EU und die Klimadebatte – in den Anbau von Agrartreibstoffen investieren, ist diese mächtige Konkurrenz neu.

Neu ist vor allem die Größenordnung: Das Internationale Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) in Washington D.C. schätzt, dass ausländische Investoren seit 2006 in Ländern des globalen Südens 15 bis 20 Mio. Hektar Land gekauft oder gepachtet haben.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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