Ausgabe Dezember 2009

Armee mit Ambitionen

Als der US-Kongress – nach dem Vietnamkrieg – eine reine Berufsarmee schuf, war dies möglicherweise von allen Entscheidungen, die er je traf, die gefährlichste. Heute steckt Amerika in einer tiefen politischen Krise, einer unerklärten Kraftprobe um die Machtstellung des Pentagon gegenüber derjenigen eines neu gewählten Präsidenten.

Noch hat Barack Obama seine Entscheidung, wie es mit dem Krieg in Afghanistan weitergehen soll, nicht verkündet, aber alles spricht für die Annahme, dass er sich der Meinung der Militärs anschließen wird. Doch zugleich setzen ihn seine republikanischen Gegenspieler gewaltig unter Druck, seine Befehlsgewalt als Präsident de facto ganz aufzugeben und die strategischen Grundentscheidungen des Landes anderen zu überlassen.

Stanley McChrystal, der Offizier, dem Obama den Oberbefehl im Afghanistankrieg übertrug, verlangt 40 000 Soldaten und Soldatinnen zusätzlich, womit die Gesamtstärke der US-Truppen dort auf über 100 000 (oder künftig noch mehr) ansteigen würde. Ohne diese Truppenverstärkung könne er seine Aufgabe nicht lösen, sagt der General, und selbst mit ihr sei es möglicherweise nicht zu schaffen, den Krieg binnen eines Jahrzehnts zu gewinnen. Doch die amerikanische Öffentlichkeit zweifelt mittlerweile grundsätzlich am Sinn dieses Krieges, insbesondere die liberale Wählerschaft des Präsidenten selbst.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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