Ausgabe Januar 2010

Schwarz-gelber Ringelpietz

So viel Sturm und Drang, so viel jugendlicher Elan, ja so viel Rekordeifer war selten in der Geschichte der Bundesrepublik: Mit Franz Josef Jung stellt diese Regierung den Minister mit der kürzesten Amtszeit. „Ich habe die Entscheidung von Franz Josef Jung,“ verkündete stolz die Kanzlerin, „vom Amt des Bundesverteidigungs-, äh, vom Amt des Bundesarbeitsministers zurückzutreten, mit Respekt und Hochachtung zur Kenntnis genommen.“ Ein solches Erinnerungsvermögen verdient all unsere Anerkennung, wusste Frau Merkel doch noch, dass der Fall Jung gerade ein nagelneues Ministerium übernommen hatte.

Mit Jungs Nachfolger im Amt des Afghanistan-Ministers, einem wahrhaft jungen, unglaublich dynamischen und bis in die frisch geölten Haarspitzen gestylten Mann, konnte sogar erstmals ein echter Semantiker für die Regierung gewonnen werden: „In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände“, erklärte Karl-Theodor. Hatte der alte Afghanistan-Minister immer nur was von „Einsatz“ gemurmelt, konnte der neue Mann, mit einem Satz, die Lage in den deutschen Aufbaugebieten entscheidend ändern: Karl-Theodor sieht Zustände, wo andere solche kriegen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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