Ausgabe März 2010

Islamophobie und Antisemitismus

Ist es legitim, Islamfeindlichkeit mit Antisemitismus zu vergleichen? Darüber ist eine heftige Debatte zwischen dem Publizisten Henryk M. Broder und dem Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Wolfgang Benz, entbrannt.

Während Benz Parallelen zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus ausmacht,[1] entgegnet Broder, dass derartige Vergleiche ähnlich geistreich seien wie solche zwischen Wehrmacht und Heilsarmee, zwischen Bikini und Burka sowie zwischen der GEZ und der Camorra.[2] Was ist von diesen und anderen Thesen in Broders mit der provokanten Frage „Sind Muslime die Juden von heute?“ überschriebenem Essay zu halten?
Der Titel des Broderschen Essays ist in der Tat eine Provokation, da weder Benz noch andere Personen, die einen komparatistischen Ansatz für sinnvoll erachten, die Position, dass Muslime die Juden von heute seien, je geäußert haben. Vielmehr zeigt die über 2000jährige Geschichte des Antisemitismus, dass dieser bislang leider nicht erfolgreich bekämpft bzw. gar besiegt werden konnte, so dass von einer Ersetzung in keiner Weise die Rede sein kann, wohl schon gar nicht in Deutschland, wo man eine Synagoge nur nach Leibesvisitationen betreten kann und Angst haben muss, wenn man in der Öffentlichkeit eine Kippa trägt.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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