Ausgabe April 2010

Weltcup der Niedertracht

Unterwegs nach Doha, wo Geld keine Rolle zu spielen scheint, las ich beim Londoner Zwischenstopp kürzlich den „Guardian“. Er schrieb von den Aasgeiern, die die gegenwärtige Krise nutzen, um sich ausgerechnet an den ärmsten Volkswirtschaften der Welt zu bereichern.

Sie kaufen in der Erwartung, dass die internationale Gemeinschaft irgendwann einen allgemeinen Schuldenerlass organisiert, Schuldtitel besonders armer Länder auf. Der Schuldenregulierung entziehen derartige Spekulanten sich dann durch allerlei Tricks, meist durch eine Umschichtung der Schulden. Schließlich zieht der nominelle End-Besitzer der Titel vor ein passendes Gericht in Amerika oder Großbritannien, um entweder die ursprüngliche Schuld in voller Höhe einzuklagen oder sich ersatzweise am Eigentum armer Länder schadlos zu halten.

Der Präsident von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, suchte Ende Februar die Unterstützung britischer Parlamentarier. Er bat sie, sich für ein Gesetz zu verwenden, das ein Londoner Gerichtsurteil aus dem vergangen Jahr hätte blockieren können. Dieses hatte zugunsten amerikanischer Investoren entschieden, denen BBC vorwarf, den Entschuldungsprozess zu untergraben.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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