Ausgabe Juli 2010

Südkoreas Arroganz, Nordkoreas Rache

Die Versenkung der südkoreanischen Korvette Cheonandurch einen nordkoreanischen Torpedo hat die gefährlichste Krise auf der koreanischen Halbinsel heraufbeschworen, seit Präsident Clinton 1994 damit drohte, die nordkoreanischen Atomanlagen zu bombardieren. Nach acht Jahren „Sonnenschein-Politik“ scheinen die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea fast wieder so verfeindet zu sein wie in den 80er Jahren. 1983 verübte das nordkoreanische Regime auf den damaligen Präsidenten Südkoreas, Chun Doo Hwan, ein Attentat, als dieser sich zum Staatsbesuch in Burma befand. Dabei wurden 17 Menschen getötet. Und 1987 brachte Pjöngjang eine Maschine der Korea Air mit einer Bombe zum Absturz, wobei 115 Menschen ums Leben kamen. Vor allem die südkoreanische Opposition fürchtet jetzt ein Wiederaufleben des Kalten Krieges auf der Koreanischen Halbinsel.

Nordkorea streitet derweil die Versenkung der Cheonan durch ein eigenes Unterseeboot vehement ab. Das Land verfüge gar nicht über den in Rede stehenden U-Boot-Typ. Zudem werde die auf dem Torpedo gefundene Aufschrift in Nordkorea nicht verwendet. Allerdings hat Nordkorea auch die Urheberschaft an dem Anschlag auf die Korea-Air-Maschine von 1987 niemals zugegeben.

Über die Motive für die Versenkung der Cheonan kann nur spekuliert werden.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.