Ausgabe Dezember 2010

Ungarische Mitgift

Die dramatischen Bilder der nach einem Dammbruch von giftigem Rotschlamm überfluteten ungarischen Dörfer gingen um die ganze Welt. Mit bislang zehn Toten, etwa 130 Verletzten, zahlreichen unbewohnbar gewordenen Häusern und über 1000 Hektar kontaminierten Feldern handelt es sich um die größte ökologische Katastrophe in der modernen Geschichte des Landes.

Am Nachmittag des 4. Oktobers d.J. hatte ein Riss im Damm eines hauptsächlich mit Rotschlamm gefüllten Reservoirs des Aluminiumwerks MAL AG bei Ajka im westungarischen Komitat Veszprém zum Entweichen einer springflutartigen Schlammlawine geführt. Diese begrub Teile der nahe gelegenen Dörfer Kolontár, Devecser und Somlóvásárhely. Während die meisten Todesopfer in den Fluten ertranken, entstand ein Großteil der Verletzungen durch den hohen alkalischen Wert der entwichenen Flüssigkeit (pH-Wert von über 14). Diese drang auch in die Häuser ein und vernichtete, wie auch auf den Höfen und in den Straßen, das gesamte Hab und Gut der Betroffenen. Die von etwa 700 000 Kubikmeter Rotschlamm bedeckten Felder können voraussichtlich nur nach einem kompletten Bodenaustausch wieder bebaut werden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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