Ausgabe Januar 2011

Röslers Rosskur

Apotheker, die sich durch den Ankauf von Rezepten bereichern, Facharztpraxen, die nicht erbrachte Leistungen abkassieren, Krankenhäuser, in denen – wie kürzlich in den Berliner DRK-Kliniken – Razzien durchgeführt werden, weil sie in Verdacht stehen, über Jahre hinweg „gewerbs- und bandenmäßigen Betrug“ betrieben zu haben: Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass ein derartiger Betrugsskandal durch die Presse geht. Offenbar laden die Strukturen des Gesundheitssystems zu kriminellen Machenschaften in großem Stil ein. Transparency International schätzt, dass dem deutschen Gesundheitssystem 20 Mrd. Euro jährlich durch Korruption und Betrug verloren gehen.

Einseitige Kostenabwälzung

Würde sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler um diese systemisch bedingten Schlupflöcher und geduldeten Vorteilsnahmen kümmern, hätte er vielleicht sogar auf die im Januar 2011 anstehende Erhöhung der Kassenbeiträge von 14,9 auf 15,5 Prozent verzichten und seitens der Unternehmer Applaus einheimsen können. So aber müssen die Kassendefizite auch von den Arbeitgebern mitgetragen werden – allerdings letztmalig, weil Rösler den Arbeitgeberanteil für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bei 7,3 Prozent eingefroren und damit eine jahrzehntealte Forderung der Arbeitgeberverbände erfüllt hat.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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