Ausgabe April 2011

Selber schuld?

Feministische Ambivalenzen der Gegenwart – und eine Replik auf Bascha Mika

Deutschland die Frauenquote braucht“, titelte jüngst „Der Spiegel“.[1] Die Quote, dieser vermeintlich „alte Hut“? Es bewegt sich also doch etwas im Lande, hoffte die feministische Leserin.

Ausgangspunkt der Debatte war – wieder einmal – ein Streit zwischen Bundesarbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen und Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Von der Leyen hatte angekündigt, eine gesetzliche Regelung über einen Mindestanteil von Frauen in Führungspositionen von Unternehmen nicht mehr ausschließen zu wollen – „angesichts der nur mit der Lupe erkennbaren Fortschritte der vergangenen zehn Jahre“, wie sie erklärte.[2] Mit der Quote wollte sie binnen Fünfjahresfrist auf mindestens 25 bis 30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen kommen. Dagegen hält die eigentlich qua Ressort für Gleichberechtigung zuständige Schröder eine „gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung“ in dieser Frage immer noch für ausreichend.

Dabei überraschte einmal mehr die Naivität, die die promovierte Politikwissenschaftlerin Schröder an den Tag legte. Einmal abgesehen von der Frage, wie die Ministerin „Unternehmen ab einer gewissen Größe gesetzlich verpflichten [will], individuell für sich eine selbst bestimmte Frauenquote festzulegen und zu veröffentlichen“[3] – eine solche Selbstverpflichtung, wenn auch noch nicht gesetzlich verankert, gibt es längst.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema