Ausgabe Juni 2011

Islamische Republik Türkei?

In einer lauen Nacht im April d. J. bestieg ein junges Paar in Istanbul den städtischen Verkehrsbus. Es war kurz vor elf Uhr, um Mitternacht musste die Studentin in ihrem Heimzimmer hoch im Norden des Bosporus sein. Die jungen Leute setzten sich hin, und er legte zärtlich seinen Arm um sie. Nach einer Weile drehte sich der auf die Abfahrszeit wartende Fahrer um und begann zu schreien: „Los, aussteigen! Hier ist nicht der Platz, um so etwas zu machen.“ Der junge Mann hielt dagegen: „Was heißt hier ‘so etwas’ – sag’s doch ganz offen.“ Der Fahrer antwortete: „Na, Sex treiben eben!“ Er schimpfte weiter, auch als sich ein anderer Fahrgast einmischte und das junge Paar verteidigte. Schließlich stiegen alle aus. Der dritte Fahrgast, ebenfalls ein junger Student auf seinem Heimweg, haute mit der Faust auf die Bushaube und rief dem Fahrer zu: „Dieser Bus gehört weder dir noch uns und auch nicht Recep Tayyip Erdogan. Dieser Bus gehört dem Land, das Atatürk gründete!“ Das Ganze endete in einer Schlägerei, in die auch mehrere Passanten verwickelt wurden.

Nachdem dieser für den Zustand der Türkei so exemplarische Vorfall publik wurde, formierte sich im Internet Protest gegen das Verhalten des Busfahrers.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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