Ausgabe Juni 2011

Die andere Brückentechnologie

Wer geglaubt haben sollte, dass der atomare GAU in Fukushima zu einem globalen Umdenken führen würde, sieht sich keine drei Monate später bereits enttäuscht: In den Vereinigten Staaten, in Frankreich, China, Russland und Osteuropa ist von einem grundsätzlichen Umdenken keine Spur. Auch Länder wie Vietnam und die Türkei halten ihre Pläne zum Bau von AKWs weiterhin für alternativlos und nehmen das „Restrisiko“ gerne in Kauf.

Zieht aber wenigstens Deutschland endlich die richtigen Schlüsse? Immerhin lehnt hier die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung die Atomkraft ab. Müsste daher die rot-grüne Opposition nicht gerade jetzt in die politische Offensive gehen und zusammen mit den sozialen Bewegungen eine breite gesellschaftliche Diskussion für den sofortigen Ausstieg in Gang setzen?

Doch offenbar haben bisher weder die SPD noch die Grünen den richtigen Dreh gefunden. Ihnen fehlt jedenfalls der notwendige Enthusiasmus und eine in sich stimmige Strategie, um die schwarz-gelbe Bundesregierung daran zu hindern, weiter Zeit zu schinden. Die rot-grüne Forderung nach Rückkehr zum eigenen Atomkonsens klingt dagegen eher nach Rechthaberei. Schwarz-Gelb wiederum kontert mit dem Vorwurf, Rot-Grün hätte den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke akzeptiert und der Atomindustrie einen „Sicherheitsrabatt“ gewährt.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema