Was im Jahre 1999 als Verschriftlichung von Vorlesungen begann, kommt nun, über ein Jahrzehnt später, mit Erscheinen des vierten Bandes zu seinem krönenden Abschluss: Frank Deppes Opus Magnum über das Politische Denken im 20. Jahrhundert. Und diese bislang umfassendste Diskussion neueren politischen Denkens aus der Feder eines marxistischen Politikwissenschaftlers hat es wahrhaftig in sich.
Der Marburger Hochschullehrer begibt sich dabei nicht in die luftigen Höhen einer bloßen Geistes- oder Ideengeschichte. Er erweitert und erneuert vielmehr die unorthodoxe, von Marx und Engels inspirierte Tradition, wie sie Max Horkheimer und Theodor W. Adorno sowie seine Lehrer Werner Hofmann und Wolfgang Abendroth entwickelten – und zwar indem er die Ideen und deren Urheber in den Kontext konfliktreicher Kämpfe stellt: von den Erschütterungen der bürgerlichen Welt am Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Sturz in die Weltkriegsepoche, vom Zeitalter des Kalten Krieges bis in die Gegenwart des entfesselten Finanzkapitalismus.
Entstanden ist so ein Grundlagentext, der sich in eigentümlichem Widerspruch zur Situation an den Massenuniversitäten bewegt, in der „die Arbeitsbedingungen für die Konzentration auf längere, individuelle Projekte extrem ungünstig sind“. Kurzum: Es ist ein Werk, das aus anderen Zeiten kommt, aber auch in andere gehen will.
Das Jahr 1976 entpuppte sich als Krisenjahr für die DDR-Regierung, von dem sie sich nicht mehr erholen sollte. Schon vor der Ausbürgerung Wolf Biermanns sorgte der Feuertod des Pfarrers Oskar Brüsewitz für Unruhe.