Ausgabe November 2011

Ein Papst auf dem Boden des Grundgesetzes

Gerade wer wie ich das bisherige Pontifikat Benedikts XVI. eher kritisch einschätzt – nota bene: Dabei geht es mir in erster Linie um sein Wirken als religious leader, als Oberhirte einer Weltreligion, nicht um die Schriften des akademischen Theologen und Patristikers Joseph Ratzinger –, wird dem Heiligen Vater nach seinem letzten Besuch in seinem Heimatland die Hochachtung nicht versagen können.

Benedikt XVI. hat nämlich diesmal nicht nur – im Kontrast zur berühmt-berüchtigten Regensburger Vorlesung von 2006 – keinen Fehler gemacht; sondern sich insgesamt ganz gut geschlagen. In Rom würde man sagen: ha fatto bella figura.

Zugleich hat er eventuelle Ambivalenzen ein für allemal beseitigt, die im Verhältnis von hierarchischer Amtskirche und staatlicher Demokratie durchaus bestanden haben mögen.

Das gilt für seine öffentlichen Äußerungen zu den sexuellen Missbrauchsverbrechen in Institutionen der katholischen Kirche und sein privates Treffen mit Missbrauchspfern in Erfurt; das gilt ebenso für den souveränen Umgang mit den üblichen Anti-Papst-Protesten der antiklerikalen Subkultur in Deutschland: „In einer freien Gesellschaft und in einer säkularisierten Zeit ist es normal, dass es Oppositionen gegen einen Besuch des Papstes gibt.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.