Ausgabe Januar 2012

Die gnadenlose Euro-Logik

In den letzten Wochen wurde eine neue Eskalationsstufe in der Eurokrise erreicht. Das bisher Undenkbare ist jetzt vorstellbar: der Zusammenbruch des Euro. Seit nunmehr zwei Jahren sind alle Bemühungen gescheitert, diese Krise zu bewältigen. Wie konnte Europa in einen Zustand derartiger Hilflosigkeit geraten? Ein Zustand, der dazu führt, dass die gesamte europäische Konstruktion scheinbar von den innenpolitischen Wirren und Reformblockaden eines Landes abhängig wurde, dessen Wirtschaftskraft gerade einmal etwas mehr als zwei Prozent der Eurozone ausmacht?

Der britische Schatzkanzler George Osborne hat vor einigen Wochen von der gnadenlosen Logik der gemeinsamen Währung gesprochen.[1] Er meinte damit die für die britischen Konservativen recht unheimliche Tendenz des europäischen Integrationsprojekts, Sachzwänge zu erzeugen, die eine Vertiefung der Union als nahezu unausweichlich erscheinen lassen. Auch wenn die Verantwortlichen des Euroraums inzwischen ausgesprochen unwirsch auf gute und weniger gute Ratschläge von der Insel reagieren, so hat Osborne doch eine Teilwahrheit ausgesprochen, die einen Hinweis darauf liefert, weshalb diese Krise nicht zu vermeiden war und warum es so schwer ist, eine akzeptable Lösung zu finden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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