Ausgabe März 2012

China: Stabil durch Revolten

Jeder neue Protest in China nährt im Westen die Hoffnung, dieser könne zum Ende des autoritären Regimes in Beijing beitragen – vor allem wenn ein Protest so konfrontativ verläuft wie der in Wukan, einem Küstendorf mit rund 12 000 Einwohnern in der südchinesischen Provinz Guangdong. Dabei übersehen die Kommentatoren jedoch meist die eigentlichen Absichten der Protestierenden und unterschätzen die Anpassungsleistungen des Einparteienstaates.

Anfang September 2011 bemerkten Bewohnerinnen und Bewohner in Wukan Fremde, die auf einem Stück Land arbeiteten, das zum Dorf gehörte. Bis heute ist unklar, wie groß das Stück war, das das Dorfkomitee dem chinesischen Immobiliengiganten Country Garden Group verkauft hatte, aber es war nicht das erste Mal – insgesamt sollen im Laufe der Jahre 80 Prozent des kollektiven Agrarlandes veräußert worden sein. Bisher hatten die hauptsächlich vom Fischfang lebenden Bewohner dies hingenommen. Aus dem Perlflussdelta zurückgekehrte Wanderarbeiter hatten jedoch die Erkenntnis mitgebracht, dass das Land nicht der Partei, sondern „dem Kollektiv“ gehörte. Und so organisierten sie eine gemeinsame Petition gegen den Verkauf, die allerdings ohne Antwort blieb.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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