Ausgabe Juli 2012

Europa und das Licht der Vernunft

So schwer es gegenwärtig fällt, viel Licht in Euro-Europa zu entdecken: Die Epoche der Aufklärung, ausgehend von Europa und von den in ihrem Zeichen operierenden Kulturen als „Lumières philosophiques“, „Englightenment“, „Illuminismo“ bezeichnet, hat das Licht nicht nur als Metapher geliebt. Schon in ihrem Namen lässt sich mehr entdecken, er muss nur wörtlich genommen werden, wenn man ihr Selbstverständnis fassen will. Dann bezeichnet „Aufklärung“ keinen Zustand, kein erreichtes Ziel, sondern einen auf Klärung, auf Klarheit tendierenden Prozess, eben ein Projekt – nach den Worten ihres jüngsten Biographen Manfred Geier ein „europäisches Projekt mit universellem Anspruch“. Zugleich geht es freilich um einen Kampfbegriff, der das Licht der Vernunft gegen die Mächte der Finsternis richtet, die religiösen und politischen, die ideologischen und ökonomischen.

Doch selbst als Kampfbegriff muss sich die „Aufklärung“ daran erinnern lassen, dass sie es bisher nur zu partiellen Erhellungen gebracht hat, während ihre Gegner das Versprechen des Lichts schon seit längerem im Angebot haben – von der christlichen Lichtmetaphysik bis zum französischen Sonnenkönigtum.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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