Ausgabe Juli 2012

Gleichheit und Differenz

Jüdische Identität im Spiegel der Moderne

Ein Preis, der nicht nur im Namen eines Wissenschaftlers, sondern eines Rabbis verliehen wird, bedeutet für mich eine besondere Herausforderung. Er hat mich dazu veranlasst, nach den jüdischen Wurzeln meiner eigenen intellektuellen Arbeit zu graben: Was an der deutschen philosophischen Tradition von Hegel (über den ich meine Doktorarbeit schrieb) bis Arendt, Horkheimer, Adorno, Benjamin, Habermas und vielen anderen war es und ist es, das mir, einem Kind sephardischer Eltern, die Sprache der kritischen Philosophie gelehrt hat? Warum hat mich diese Traditionslinie so viel tiefer geprägt als die analytische Philosophie, der ich doch als Studentin ungemein stärker ausgesetzt war?

Auch wenn ich diese autobiographischen Linien nie ins Zentrum meines Werkes gestellt habe: In dieser deutschen philosophischen Tradition habe ich wohl eine Sprache gefunden, die mich in besonderer Weise über mein jüdisches Erbe nachdenken ließ. Die deutsch-jüdische Begegnung mit der politischen und kulturellen Moderne diente mir als Spiegel zur Betrachtung meiner eigenen Erfahrungen als türkische Jüdin und Kind der Republik Atatürks.

Eine autobiographische Einführung

Erlauben Sie mir daher zunächst einige autobiographische Reflexionen. An der Schwelle zum 16. Jahrhundert, nach der Inquisition im katholischen Spanien, flohen viele Juden ins benachbarte Portugal, in die Niederlande und nach England.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.